Kurz-Antwort
Die Powerbank Kapazität in mAh bezieht sich auf die Akkuzellen im Inneren, die mit rund 3,6 bis 3,7 Volt arbeiten. Am USB-Ausgang liegen aber mindestens 5 Volt an, und beim Umwandeln geht zusätzlich Energie als Wärme verloren. Deshalb landen von 20.000 mAh nie 20.000 mAh in deinem Handy. Wer Powerbanks vergleichen will, schaut besser auf die Angabe in Wattstunden (Wh).
Zu genau diesem Ergebnis kommt auch die Stiftung Warentest. In ihrer Pressemitteilung „Powerbanks: Verlässliche Stromreserve für alle Fälle“ vom Januar 2026 schreibt sie, dass die Nennkapazität allein wenig darüber verrät, wie viel Energie eine Powerbank tatsächlich abgibt. Aussagekräftiger ist die entnehmbare Energie in Wattstunden. Einige der großen untersuchten Modelle mit 20.000 mAh lieferten etwa 70 Wh. Das reicht je nach Akkugröße für zwei bis fünf Smartphone-Ladungen oder ungefähr eine Notebook-Ladung. Die Modelle mit 10.000 mAh kamen auf etwa die Hälfte.
Hier rechnest du nach, woher der Unterschied kommt, wie du mAh in Wh umrechnest und wie viele Ladungen du von deiner eigenen Powerbank realistisch erwarten kannst. Messwerte zu einzelnen Modellen findest du hier nicht. Die Rechnungen zeigen aber, warum die Zahl auf der Verpackung so oft enttäuscht.
Was sagt die Powerbank Kapazität in mAh aus?
Milliamperestunden beschreiben eine Ladungsmenge: wie lange ein Akku einen bestimmten Strom liefern kann. Eine Energiemenge ist das erst, wenn du die Spannung dazunimmst. 20.000 mAh bei 3,7 Volt sind etwas völlig anderes als 20.000 mAh bei 5 Volt. Genau hier steckt der Haken.
Hersteller geben die Kapazität der eingebauten Lithium-Ionen-Zellen an. Diese Zellen haben eine Nennspannung von meist 3,6 oder 3,7 Volt, manche Hersteller drucken auch 3,85 Volt auf. Der USB-Ausgang arbeitet dagegen mit 5 Volt, beim Schnellladen sogar mit 9, 12 oder 20 Volt. Die Elektronik in der Powerbank muss die Zellspannung also erst hochsetzen. Dabei sinkt der Strom entsprechend, und ein Teil der Energie wird zu Wärme.
Schau deshalb auf die Rückseite oder ins Datenblatt. Dort findest du oft drei Angaben: die Kapazität in mAh, die Zellspannung und eine Energieangabe in Wh. Manche Hersteller nennen zusätzlich eine „Nennkapazität“ bei 5 Volt, die deutlich niedriger ausfällt als die große Zahl auf der Verpackung. Diese kleine Zahl ist die ehrlichere.
Wie viel von 20.000 mAh kommt am Handy an?
In drei Schritten lässt sich die Rechnung nachvollziehen. Sie ist eine Abschätzung und ersetzt keine Messung, zeigt aber die Größenordnung.
Schritt 1: Energie der Zellen berechnen
Als Formel: Wattstunden = Milliamperestunden × Volt ÷ 1.000. Für 20.000 mAh bei 3,7 Volt ergibt das 74 Wh. Mehr Energie steckt in den Zellen nicht, egal was die Verpackung suggeriert.
Schritt 2: Auf die USB-Spannung umrechnen
Teilst du die 74 Wh durch die 5 Volt am USB-Anschluss, kommst du auf 14.800 mAh. Das wäre der Wert bei verlustfreier Umwandlung, den es in der Praxis nicht gibt. Von den 20.000 mAh ist allein durch die andere Spannung schon rund ein Viertel „verschwunden“, ohne dass dabei Energie verloren ging. Es ist nur eine andere Rechengröße.
Schritt 3: Verluste einplanen
Echte Verluste entstehen an drei Stellen: im Spannungswandler der Powerbank, im Kabel und in der Ladeelektronik deines Handys, die die 5 Volt wieder auf die Zellspannung des Handy-Akkus herunterregelt. Wie groß diese Verluste sind, hängt vom Modell, vom Kabel und von der Ladeleistung ab. Nimm für deine eigene Rechnung als vorsichtige Annahme an, dass rund ein Viertel der Zellenergie unterwegs verloren geht. Aus 74 Wh werden dann etwa 55 Wh, die tatsächlich im Handy-Akku ankommen. Die Stiftung Warentest nennt für große Modelle etwa 70 Wh entnehmbare Energie. Was davon im Handy-Akku landet, hängt zusätzlich von Kabel und Ladeelektronik ab.
So rechnest du mAh in Wattstunden um
Für den Vergleich von Powerbanks und für die Frage, wie oft dein Handy voll wird, rechnest du am besten alles in Wattstunden. Dann vergleichst du Gleiches mit Gleichem. Mit 3,7 Volt Zellspannung ergeben sich diese Werte:
- 5.000 mAh × 3,7 V = 18,5 Wh
- 10.000 mAh × 3,7 V = 37 Wh
- 20.000 mAh × 3,7 V = 74 Wh
- 26.800 mAh × 3,7 V = rund 99 Wh
Die letzte Zeile ist kein Zufall. Viele große Powerbanks bleiben knapp unter 100 Wh, weil bei Flugreisen Grenzen in Wattstunden gelten. Was im Handgepäck erlaubt ist, erklärt unser Beitrag Powerbank im Flugzeug: Wie viel mAh sind im Handgepäck erlaubt?. Rechnet ein Hersteller mit 3,85 statt 3,7 Volt, kommen 26.800 mAh schon auf gut 103 Wh. Verlass dich bei Grenzfällen deshalb auf die aufgedruckte Wh-Angabe und nicht auf deine eigene Rechnung mit einer angenommenen Spannung.
Für dein Handy gehst du genauso vor. Steht im Datenblatt oder auf dem Akku eine Nennspannung, etwa 3,85 Volt, rechnest du damit. Ein Handy mit 5.000-mAh-Akku und 3,85 Volt hat dann rund 19 Wh. Mit den angenommenen 55 Wh aus Schritt 3 kommst du auf knapp drei volle Ladungen aus einer 20.000-mAh-Powerbank. Bei einem kleineren Akku sind es entsprechend mehr.
Welche Rolle spielen Ladeleistung und Schnellladen?
Die Kapazität sagt, wie viel Energie in der Powerbank steckt. Die Ladeleistung in Watt sagt, wie schnell sie diese Energie abgeben kann. Beides hängt nicht zusammen: Eine große Powerbank kann langsam laden, eine kleine schnell.
Moderne Powerbanks nutzen meist USB Power Delivery. Die USB-IF beschreibt den Standard auf ihrer Seite USB Charger (USB Power Delivery): Über USB-C sind inzwischen bis zu 240 Watt möglich, früher lag die Grenze bei 100 Watt mit 20 Volt und 5 Ampere. Wichtig für dich ist ein anderer Punkt von dieser Seite: Jedes Gerät nimmt nur die Leistung auf, die es braucht. Eine Powerbank mit 100 Watt lädt dein Handy also nicht mit 100 Watt, sondern mit dem, was das Handy anfordert.
Für die Kapazität heißt das: Höhere Spannungen beim Schnellladen bedeuten eine weitere Wandlung in der Powerbank und im Handy. Jede Wandlung erzeugt etwas Wärme. Wie stark sich das auf die Zahl der Ladungen auswirkt, unterscheidet sich je nach Gerät. Ob dein Kabel Schnellladen überhaupt unterstützt, erkennst du mit unserer Anleitung USB-C-Kabel fürs Schnellladen erkennen.
Für Notebooks empfiehlt die Stiftung Warentest Powerbanks mit 20.000 mAh und mindestens 65 Watt. Darunter laden viele Laptops gar nicht oder nur sehr langsam, besonders wenn sie gleichzeitig laufen.
Was verbraucht beim Laden zusätzlich Energie?
Die Rechnung oben geht von einem Handy aus, das während des Ladens ruht. Im Alltag sieht das oft anders aus. Spielst du unterwegs, während die Powerbank angeschlossen ist, fließt ein Teil der Energie direkt in Display, Prozessor und Funk. Der Akku füllt sich langsamer, und die Powerbank ist trotzdem schneller leer. Warum gerade Spiele so viel Strom ziehen, steht in unserem Beitrag Handy-Akku beim Spielen schnell leer.
Auch die Temperatur spielt mit. Lithium-Ionen-Akkus mögen weder Kälte noch Hitze. Liegt die Powerbank im Winter im Auto oder im Sommer in der prallen Sonne, gibt sie weniger ab und lädt schlechter. Zudem verliert jeder Akku im Schrank langsam Ladung. Eine Powerbank, die du vor Monaten voll geladen hast, ist beim nächsten Ausflug nicht mehr voll.
Mit der Zeit altert außerdem jede Powerbank. Nach vielen Ladezyklen speichern die Zellen weniger Energie als im Neuzustand. Merkst du nach ein paar Jahren, dass die Zahl der Ladungen spürbar sinkt, ist das normaler Verschleiß und kein Defekt.
Typische Probleme und ihre Lösungen
Die Powerbank lädt das Handy seltener als erwartet
Rechne zuerst nach: Wattstunden der Powerbank, abzüglich eines Viertels für Verluste, geteilt durch die Wattstunden deines Handy-Akkus. Liegt das Ergebnis nahe an deiner Erfahrung, ist alles in Ordnung. Liegt es deutlich darüber, lade das Handy einmal ausgeschaltet oder im Flugmodus und vergleiche. Bleibt der Unterschied groß, ist die Powerbank gealtert oder die aufgedruckte Kapazität ist geschönt.
Die Powerbank lädt selbst nur im Schneckentempo
Eine große Powerbank braucht beim Aufladen Zeit, besonders mit einem schwachen Netzteil. Mit 74 Wh in den Zellen und einem Netzteil, das nur wenige Watt liefert, dauert eine volle Ladung viele Stunden. Prüf Netzteil, Kabel und den Eingang der Powerbank. Weitere Ursachen sammelt unser Beitrag Powerbank lädt langsam: Kabel, Ladegerät oder Akku als Ursache.
Die Powerbank wird beim Laden warm
Leichte Wärme ist normal, denn genau dort geht ein Teil der Kapazität verloren. Wird das Gehäuse aber richtig heiß, bläht sich auf oder riecht es, hörst du sofort auf. Wann du eine Powerbank nicht mehr nutzen solltest, liest du in Powerbank wird beim Laden heiß.
Kopfhörer oder Smartwatch werden nicht geladen
Viele Powerbanks schalten sich ab, wenn kaum Strom fließt, weil sie annehmen, dass nichts mehr angeschlossen ist. Kleine Geräte ziehen oft so wenig, dass die Powerbank nach kurzer Zeit ausgeht. Manche Modelle haben dafür einen eigenen Modus für kleine Verbraucher, den du per Tastendruck aktivierst. Schau in der Anleitung nach, wie das bei deinem Modell funktioniert.
Die Ladeanzeige springt plötzlich auf leer
LEDs und Prozentanzeige schätzen den Ladestand anhand der Zellspannung. Bei älteren Akkus oder bei Kälte kann diese Schätzung danebenliegen. Lad die Powerbank in diesem Fall bei Zimmertemperatur vollständig auf und beobachte, ob die Anzeige danach wieder plausibel arbeitet.
Entscheidungshilfe: Welche Kapazität brauchst du?
Statt nach der größten Zahl zu greifen, überleg dir, was du unterwegs laden willst und wie oft. Diese Orientierung hilft:
- Ein Handy über den Tag retten: 10.000 mAh, also rund 37 Wh, reichen für ungefähr eine bis zwei Ladungen und passen in die Hosentasche.
- Ein Wochenende oder lange Gaming-Sessions am Handy: 20.000 mAh mit rund 74 Wh. Die Stiftung Warentest nennt für große Modelle zwei bis fünf Smartphone-Ladungen.
- Notebook oder Handheld-Konsole: mindestens 20.000 mAh und 65 Watt Ausgangsleistung über USB-C Power Delivery.
- Flugreise: unter 100 Wh bleiben und die Wh-Angabe auf dem Gehäuse prüfen.
Mehr Kapazität bedeutet mehr Gewicht und eine längere Ladezeit der Powerbank selbst. Wer nur gelegentlich nachlädt, trägt mit einer kleinen Powerbank weniger mit sich herum und hat sie öfter dabei.
Das Wichtigste in Kürze
- Die mAh-Angabe bezieht sich auf die Zellen mit etwa 3,6 bis 3,7 Volt, nicht auf die 5 Volt am USB-Ausgang.
- Umrechnung: mAh × Volt ÷ 1.000 = Wh. 20.000 mAh bei 3,7 Volt sind 74 Wh.
- Wandler, Kabel und Ladeelektronik im Handy kosten zusätzlich Energie. Plan für deine Rechnung rund ein Viertel Verlust ein.
- Die Stiftung Warentest empfiehlt, auf die entnehmbare Energie in Wh zu achten. Große 20.000-mAh-Modelle lieferten dort etwa 70 Wh.
- Ladeleistung in Watt und Kapazität sind zwei verschiedene Dinge. Fürs Notebook brauchst du beides: 20.000 mAh und mindestens 65 Watt.
- Fürs Flugzeug zählen Wattstunden, nicht Milliamperestunden.
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